Ganz gleich, wie man zu Klaus Kinski, dem Enfant terrible, stehen mag, ob man ihn bewundert oder sich durch sein exzentrisches Auftreten genervt fühlt: Es gibt keinen genialeren Interpreten von Dichtern wie Nietzsche, Baudelaire, Villon, Rimbaud. Kinski war ein Meister des Sprechtheaters, und seine Rezitationen der rebellischen Lyrik Villons sind Legende. Die auf dieser CD vorgestellten Rezitationen stammen alle aus dem Jahr 1960. Kinski hatte bis Anfang der sechziger Jahre über 20 Schallplatten mit Gedichten und Prosa aufgenommen. Ohne Zweifel handelt es sich bei diesen Interpretationen um alles andere als um leichte Kost und seichte Unterhaltung. Das war mit Sicherheit schon 1960 so.

Kinskis Vortrag der Dichtung von gesellschaftlichen Außenseitern ist ein expressionistisches Faszinosum. Er zieht mit seiner Stimme alle Register menschlicher Ausdrucksform: Angst, Wahnsinn, Leidenschaft, Aufbegehren, Trunkenheit. Mit absoluter Hingabe wird er selbst zu Gefühlen, die von Intensität geprägt sind. Brüllen, Fluchen, Jammern, Aufschreien sind die Requisiten seiner Rezitationen. Aus dem Inhalt: "Traum des Raskolnikow" aus "Schuld und Sühne" von Fedor M. Dostojewski, Dichtung afrikanischer Völker, "Dem unbekannten Gott" und andere Gedichte von Friedrich Nietzsche, "Die Blumen des Bösen" von Charles Baudelaire sowie Balladen und lasterhafte Lieder des François Villon. Rezitationen, Spieldauer: ca. 70 Minuten, 1 CD. Mit ausführlichem Text.

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